Was ist eine Rezession und was bedeutet sie für die deutsche Wirtschaft? Alle Infos auf einen Blick

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Steckt Deutschland in einer Rezession? Hier erfahren Sie alles rund um das Thema Rezession: Ursachen, Anzeichen, Folgen und Prognosen für 2023.

Rezession
  • Eine Rezession ist definiert als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wirtschaftswachstum.
  • Eine Rezession kann viele Folgen für ein Land bzw. Staat haben, z. B. eine höhere Arbeitslosenquote, niedrigere Löhne, sinkende Aktienkurse und geringere Ausgaben.
  • Für 2023 wird ein Rückgang des BIPs um 0,1 Prozent prognostiziert.

Was ist eine Rezession? Was bedeutet sie für die deutsche Wirtschaft? Und welchen Einfluss haben Inflation, Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg? Als Rezession bezeichnet man zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wirtschaftswachstum. Das bedeutet, dass die Unternehmen weniger Geld verdienen und die Menschen weniger Geld ausgeben. Eine Rezession kann viele Folgen für ein Land haben, z. B. eine höhere Arbeitslosenquote, niedrigere Löhne, sinkende Börsenkurse und geringere Ausgaben. In diesem Artikel befassen wir uns mit der Definition von Rezession sowie den Merkmalen und Anzeichen, die auf eine Rezession hindeuten. Außerdem gehen wir auf die Auswirkungen der Corona Pandemie auf die deutsche Wirtschaft sowie die Prognosen für 2023 ein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rezession?

Eine Rezession ist ein gesamtwirtschaftlicher Abschwung, bei dem die Wirtschaftsleistung bzw. das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes, in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Quartalen sinkt. Rezession bedeutet, dass die Konjunktur eines Landes zurückgeht, wodurch ein Wirtschaftswachstum verhindert wird.

Was sind Beispiele einer Rezession?

Einige Beispiele für Rezessionen sind die Wirtschaftskrise 2008-2009, die Dotcom-Blase 2000-2001, die Wiedervereinigungsrezession 1989-1993 und die Ölpreiskrise 1973- 1975. Jede dieser Rezessionen wurde durch eine Kombination aus Nachfrageeinbußen, Preisanstieg und Investitionsrückgang verursacht.

Wie unterscheidet sich eine Rezession von einer Finanzkrise?

Eine ausgewachsene Finanzkrise wie 2008 hat in der Regel schwerwiegendere Folgen als eine Rezession und verursacht einen Dominoeffekt in Unternehmen, Märkten und Bankensystemen. Die Auswirkungen können weitreichend sein und langfristige Folgen haben, während die Erholung von koordinierten Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken abhängt. Ein wirtschaftlicher Abschwung oder eine Finanzkrise kann sich nur auf bestimmte Sektoren einer Volkswirtschaft negativ auswirken, während eine Rezession alle Bereiche betrifft. Darüber hinaus variiert die Dauer einer Rezession je nach Marktbedingungen, während andere wirtschaftliche Probleme eher von kurzer Dauer sind, mit Spitzen und Rückgängen der Aktivität über einen kürzeren Zeitraum. 

Führt eine Rezession zu einer Depression?

Im schlimmsten Fall kann eine Rezession zu einer Depression führen, wenn sich eine Wirtschaft nicht von ihrem Wachstumsrückgang erholen kann. Dies wird in der Regel durch eine längere Rezession verursacht, die auf langfristige strukturelle Probleme zurückzuführen ist, die den Aufschwung behindern, oder durch eine Reihe von tiefen Rezessionen, zwischen denen es keine oder nur eine geringe Erholung gibt. Eine Depression ist gekennzeichnet durch einen starken Rückgang der Produktion und der Beschäftigung sowie durch einen starken Rückgang der Ausgaben der Verbraucher.

Was sind Anzeichen bzw. Merkmale einer Rezession?

Eine Rezession ist eine Phase, in der sich die Wirtschaft abschwächt, was dazu führt, dass Unternehmen ihre Kosten senken und manchmal auch Entlassungen vornehmen, was die Rentabilität verringert und die Haushalte in Not bringt. Anzeichen für eine bevorstehende wirtschaftliche Rezession sind u. a. ein Rückgang der Aktienmarktperformance bzw. der Aktienkurse, sinkende Preise, Löhne und Zinsen sowie ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosenquoten. Weitere Anzeichen sind eine sinkende Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, eine geringere Kaufkraft der Verbraucher, Abbau von Überstunden, mehr Insolvenzen und Kreditausfälle bei Unternehmen und Privatpersonen sowie ein allgemeiner Rückgang der Unternehmensgewinne. Darüber hinaus können schrumpfende Zahlungen an Arbeitnehmer als verräterisches Zeichen für eine drohende Rezession gewertet werden. Die COVID-19-Pandemie hat viele Länder auf der ganzen Welt schwer getroffen, indem sie zu massiven Störungen ihrer Wirtschaft und damit zu einer Rezession geführt hat.


Was sind die Ursachen einer Rezession und welche Auswirkungen hat sie?

Eine Rezession ist eine Phase des wirtschaftlichen Abschwungs, die durch eine rückläufige Wirtschaftstätigkeit, sinkende BIP- und Beschäftigungsquoten und oft hohe Inflationsraten gekennzeichnet ist. Die Folgen einer Rezession auf das BIP und die Beschäftigung sind eindeutig: Das BIP-Wachstum verlangsamt sich in der Regel oder geht sogar leicht zurück, während die Arbeitslosigkeit ansteigt. Dadurch sinkt das Einkommensniveau der Haushalte, was wiederum das nachfrageseitige Wachstum der Wirtschaft einschränkt und die rezessiven Kräfte weiter verstärkt. Was die Inflation betrifft, so können Rezessionen oft zu einer Deflation führen, wenn die Gesamtnachfrage in der Wirtschaft erheblich zurückgeht. Dies ist jedoch nicht immer der Fall, da kostentreibende Faktoren wie die Produktionskosten (aufgrund von Rohstoffknappheit, Lieferengpässen oder steigenden Löhnen) ebenfalls einen erheblichen Aufwärtsdruck verursachen können, so dass die Auswirkungen etwas unklar sind.

Was bedeutet eine Rezession für Geld?

Während einer Rezession verlieren Geldwerte an Wert. Dies kann daran liegen, dass bestimmte Investitionen nicht lukrativ sind, wenn die Nachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen abnimmt und Unternehmen Gelder für verschiedene Ausgaben reduzieren müssen. Umgekehrt kann es sein, dass Zinssätze sinken und Steuererleichterungen gewährt werden, was ebenfalls die Wertigkeit des Geldes reduziert.

Welche Auswirkungen hatte die Corona Pandemie auf die Weltwirtschaft?

Die COVID-19-Pandemie hatte dramatische Auswirkungen auf die Volkswirtschaften in aller Welt und damit auf die Weltwirtschaft. Viele Länder erlebten eine wirtschaftliche Rezession. Deutschland bildet hier keine Ausnahme, da die Wirtschaft des Landes aufgrund der Pandemie mit mehreren erheblichen Herausforderungen konfrontiert wurde.

Die erste große Konsequenz der Coronavirus-Krise für Deutschland war ein abrupter Stopp aller nicht lebensnotwendigen Aktivitäten, was zu einem sofortigen Rückgang der Verbraucherausgaben und einem Rückgang der Nachfrage führte. Dies führte zu einem raschen Rückgang des Wirtschaftswachstums, wobei die Wachstumsrate von 2019 Wachstumsrate von 1,5 Prozent bis März 2020 drastisch auf -3 Prozent sank. Die zweite große Auswirkung betrifft die Exporte und den internationalen Handel, der durch Unterbrechungen der globalen Lieferketten aufgrund von Beschränkungen des grenzüberschreitenden Warenverkehrs dramatisch beeinträchtigt wurde. 

Die deutsche Regierung hat auf diese Entwicklungen mit einer Reihe von Maßnahmen reagiert, die Unternehmen und Einzelpersonen während der Krise unterstützen sollen, wie z. B. die Bereitstellung von Notkrediten und Finanzhilfepaketen in Höhe von mehreren Milliarden Euro, Steuersenkungen und flexiblere Arbeitsregelungen.

Rezession 2023: Wie sind die Aussichten und Prognosen?

Nach Prognosen des Ifo-Instituts wird die deutsche Wirtschaft auch im Jahr 2023 mit einem geschätzten Rückgang von nur 0,1 Prozent stark bleiben. Die stetige Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen dürfte sich fortsetzen; außerdem wird erwartet, dass die Inflationsrate aufgrund von Energiekostensenkungen auf 6,4 Prozent sinken wird.(Quelle: ifo Institut)

Laut Ifo-Konjunkturforschung, werden auch die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt voraussichtlich nicht allzu drastisch sein. Es wird prognostiziert, dass die Kurzarbeit im Jahr 2023 vorrübergehend wieder ansteigen und das Beschäftigungswachstum stagniert. Es wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote von 5,3 % in diesem Jahr auf 5,5 % im nächsten Jahr steigen wird (Quelle: Süddeutsche)

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Stagflation?

Stagflation ist eine Situation, in der eine Wirtschaft gleichzeitig eine Inflation und eine Stagnation erlebt. Sie tritt auf, wenn die Wirtschaftsleistung sinkt, die Preise hoch bleiben und die Arbeitslosigkeit steigt. Stagnation bedeutet, dass es kein Wirtschaftswachstum und keine wirtschaftliche Aktivität gibt, während die Inflation einen allgemeinen Anstieg der Preise für Waren und Dienstleistungen widerspiegelt.

Was ist der Konjunkturzyklus?

Ein Konjunkturzyklus bezeichnet in der Volkswirtschaft den Wechsel zwischen Wachstums- und Rezessionsphasen. Es gibt vier Phasen eines typischen Konjunkturzyklus: Aufschwungphasen (Expansion), Phase der Hochkonjunktur (Boom), Abschwungphase (Rezession) und Konjunkturtief (Depression). In der Expansionphase steigt die Wirtschaft an, in der Boomphase erreicht sie ihren Höhepunkt, in der Abschwungphase fällt sie ab und in der Depression erreicht sie ihr tiefstes Niveau.

Wer profitiert von einer Rezession?

In einer Rezession können Investoren, Unternehmen und Verbraucher durch niedrigere Preise und höhere Zinsen profitieren. Investoren können in Zeiten der Rezession günstige Aktien oder Anleihen kaufen, die sich als lukrative Investition erweisen können. Unternehmen profitieren ebenfalls von einer Rezession, da sie während dieser Zeit mehr Produkte zu erschwinglicheren Preisen anbieten können. Außerdem können auch Verbraucher von niedrigeren Preisen für alltägliche Güter wie Nahrungsmittel und andere Dinge profitieren.