Staatsverschuldung Deutschland 2023: Wann wird die Schuldenlast zur Gefahr?

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In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Staatsverschuldung in Deutschland und beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Thema.

Staatsverschuldung Deutschland

Die Staatsverschuldung ist seit langem ein zentrales Thema in der öffentlichen Diskussion und betrifft sowohl Deutschland als auch viele andere Länder. Im Fokus stehen dabei oft die Höhe des Schuldenstands, die Schuldenquote und die Neuverschuldung. Auch die Frage, ob der Staat jemals seine Schulden zurückzahlen wird oder ob eine Pleite droht, wird diskutiert. In diesem Artikel werden wir uns mit der Staatsverschuldung in Deutschland auseinandersetzen und die wichtigsten Fragen rund um das Thema beantworten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Staatsverschuldung?

Die Staatsverschuldung bezeichnet die Summe der Schulden, die ein Staat gegenüber seinen Gläubigern hat. Dazu gehören zum Beispiel Anleihen, die der Staat ausgegeben hat, um sich Geld zu leihen. Der Schuldenstand ergibt sich aus der Differenz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben des Staates. Wenn der Staat mehr ausgibt, als er einnimmt, muss er sich verschulden, um seine Ausgaben zu finanzieren. Die Staatsverschuldung wird oft als Schuldenstand gemessen, der die Höhe der ausstehenden Schulden angibt.

Was versteht man unter expliziter und impliziter Staatsverschuldung?

Explizite Staatsverschuldung bezieht sich auf die Schulden, die der Staat ausdrücklich aufnimmt, indem er zum Beispiel Anleihen ausgibt oder Kredite aufnimmt. Diese Schulden sind in der Regel bekannt und werden von den Finanzbehörden erfasst.

Implizite Staatsverschuldung bezieht sich auf Verbindlichkeiten, die zwar noch nicht ausdrücklich aufgenommen wurden, aber in Zukunft auf den Staat zukommen könnten. Ein Beispiel dafür ist die staatliche Rentenversicherung: Der Staat hat eine Verpflichtung, Rentenleistungen zu erbringen, die erst in Zukunft fällig werden. Diese Verpflichtung wird in der Gegenwart nicht als explizite Verschuldung erfasst, sondern als implizite Verschuldung betrachtet.

Ein weiteres Beispiel für implizite Verschuldung sind Garantien, die der Staat für private oder öffentliche Unternehmen übernimmt. Auch wenn der Staat in der Gegenwart keine direkten Schulden aufnimmt, besteht das Risiko, dass er in der Zukunft für die Garantien haften muss, wenn die Unternehmen in Schwierigkeiten geraten.

Wie funktioniert Staatsverschuldung?

Die Staatsverschuldung funktioniert ähnlich wie bei Privatpersonen oder Unternehmen. Der Staat gibt Staatsanleihen aus, die von Investoren gekauft werden. Die Investoren erhalten dafür eine Verzinsung, die je nach Bonität des Staates unterschiedlich ausfällt. Der Staat kann so kurz- oder langfristige Schulden aufnehmen, um seine Ausgaben zu finanzieren. Die Schulden müssen dann in der Zukunft zurückgezahlt werden. Staatsverschuldung funktioniert, indem ein Staat Anleihen oder ähnliche Finanzinstrumente ausgibt, die von Anlegern gekauft werden. Im Gegenzug für den Kauf dieser Anleihen zahlt der Staat in der Regel Zinsen und zahlt das Kapital bei Fälligkeit zurück. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Anleihen werden dann verwendet, um die Haushaltslücke zu schließen oder um Investitionsprojekte zu finanzieren.

Warum macht der Staat Schulden?

Der Staat macht Schulden, um seine Ausgaben zu finanzieren. Dazu gehören zum Beispiel Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Gesundheit oder auch Sozialleistungen. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann der Staat Schulden aufnehmen, um die Konjunktur anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei ist es wichtig, dass die Neuverschuldung nicht zu hoch ist und langfristig ein ausgeglichener Haushalt angestrebt wird.

Staatsverschuldung in Deutschland – Wo hat Deutschland Schulden?

Die Schulden des öffentlichen Gesamthaushalts Deutschlands verteilen sich auf verschiedene Gläubiger. Dazu gehören zum Beispiel Inländer wie Banken, Versicherungen oder private Haushalte, aber auch ausländische Investoren und andere Staaten. Die genaue Aufschlüsselung kann auf der sogenannten Schuldenuhr des Bundes sowie die Schulden des öffentlichen der Steuerzahler eingesehen werden. Die meisten Schulden hat Deutschland bei privaten Haushalten und ausländischen Investoren. Die Schulden Deutschlands sind auf verschiedene Sektoren verteilt, einschließlich des Bundes, der Länder, der Gemeinden (Gemeindeverbände) und der Sozialversicherungen. Der Schuldenstand des Bundes beträgt jedoch den größten Teil der Gesamtschulden des Landes. Die pro Kopf Verschuldung der Bundesländer, Gemeinden und die Sozialversicherung ist in der Regel geringer als die Schulden des Bundes.


Wird Deutschland seine Schulden jemals zurückzahlen?

Die Schulden Deutschlands werden nicht auf einen Schlag zurückgezahlt, sondern über einen langen Zeitraum hinweg. Eine vollständige Tilgung ist jedoch unwahrscheinlich, da der Schuldenstand immer wieder durch Neuverschuldung erhöht wird. Entscheidend ist daher, dass die Schuldenquote nicht zu hoch ist und langfristig ein ausgeglichener Haushalt angestrebt wird.

In der Regel werden Staatsschulden nicht vollständig zurückgezahlt, sondern nach Ablauf ihrer Frist erneut aufgenommen. Dabei ist es nicht das Ziel, den absoluten Wert der Schulden zu tilgen, sondern die Zinslast zu reduzieren. Wenn die Zinsen niedrig sind und das Wachstum hoch ist, kann sich die Schuldenquote stabilisieren – also das Verhältnis zwischen Staatsverschuldung und Bruttoinlandsprodukt BIP. Solange die Zinsen relativ niedrig bleiben – und derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass sie in den nächsten 10 bis 20 Jahren stark steigen werden – kann sich die Schuldenquote durch das Wachstum verringern.

Kann der deutsche Staat pleite gehen?

Es ist unwahrscheinlich, dass der deutsche Staat jemals pleite geht. Als eine der größten Volkswirtschaften der Welt hat Deutschland eine starke Wirtschaftsleistung und ist in der Lage, seine Schuldenlast zu tragen. Darüber hinaus hat der deutsche Staat eine niedrige Schuldenquote im Vergleich zu anderen Ländern und hat in der Regel eine gute Kreditwürdigkeit.

Wie hat sich die Staatsverschuldung in Deutschland entwickelt?

Die Staatsverschuldung in Deutschland ist seit den 1970er Jahren kontinuierlich gestiegen. Besonders stark war der Anstieg in den 1990er Jahren nach der Wiedervereinigung. In den letzten Jahren konnte jedoch eine leichte Trendwende erreicht werden. Die Neuverschuldung wurde reduziert und es wurde ein ausgeglichener Haushalt angestrebt. Die Staatsschuldenquote ist allerdings immer noch vergleichsweise hoch.

Im ersten Halbjahr 2021 hat die Bewältigung der Corona Krise zu einer hohen Verschuldung des deutschen Staates geführt. Doch mittlerweile belasten auch die Folgen des Ukraine-Kriegs, insbesondere die Energiekrise, den Schuldenberg und führen zu weiterem Schuldenwachstum. Obwohl die Bundesregierung bereits ihr drittes Entlastungspaket beschlossen hat, wird nun ein viertes Paket gefordert. Als Reaktion auf die Energiekrise plant die Regierung einen milliardenschweren „Abwehrschirm“.

Wie hoch war Deutschland 2022 verschuldet?

2022  betrug die Gesamtverschuldung Deutschlands insgesamt etwa 2,3 Billionen Euro. Die Schuldenquote, also der Anteil der Staatsschulden am Bruttoinlandsprodukt (BIP), lag bei rund 65 Prozent. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Schuldenquote langfristig auf unter 60 Prozent zu senken.

Im Jahr 2023 wird die Verschuldung um 118 Milliarden Euro zunehmen. Mit 90 Prozent, sprich 107 Milliarden Euro, entfällt der größte Teil hierbei auf den Bund. Die hohe Verschuldung des deutschen Staates ergibt sich hauptsächlich durch die Aufnahme von Netto-Krediten in Höhe von etwa 46 Milliarden Euro innerhalb der Schuldenbremse sowie durch die Inanspruchnahme weiterer Kredite zur Finanzierung von Rücklagen oder Sondervermögen. Die Länder tragen dabei eine Verantwortung für neun Milliarden Euro Schulden, während weitere zwei Milliarden Euro auf die Kommunen entfallen. Diese Entwicklung führt dazu, dass deutschlandweit jede Sekunde neue Schulden in Höhe von 3.744 Euro entstehen.

Wie hoch war die Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland 2022?

Die Pro-Kopf-Verschuldung beschreibt, wie viel Schulden auf jeden Einwohner in einer bestimmten Gruppe (Land, Bundesland, Region, Kommune, …) entfallen. Man berechnet sie, indem man die jeweiligen Gesamtschulden durch die Anzahl der Menschen teilt. Dadurch erhält man einen Durchschnittswert der zeigt, wie hoch die Schuldenlast pro Person wäre, wenn man sie gleichmäßig auf alle aufteilen würde. Das ist also eine gute Methode, um die Verschuldung eines Landes oder einer Region im Vergleich zu anderen beurteilen zu können.

Zum Stichtag 31.12.2021 entsprach nach Mitteilung des statistischen Bundesamtes vom 28.07.2022 die Verschuldung im nicht-öffentlichen Bereich 27.922€ Schulden pro Einwohner.

Wie hängen Energiekrise und Staatsverschuldung zusammen?

Die Energiekrise kann verschiedene Auswirkungen auf die Staatsverschuldung haben, je nachdem wie der Staat damit umgeht. Eine Möglichkeit ist, dass der Staat aufgrund von höheren Energiepreisen und steigenden Energiekosten selbst höhere Ausgaben hat und dadurch mehr Schulden aufnehmen muss. Wenn der Staat beispielsweise Subventionen für erneuerbare Energien oder Maßnahmen zur Energieeinsparung bereitstellt, um die Energieversorgung aufrechtzuerhalten, können diese Ausgaben ebenfalls zu höheren Schulden führen.

Auf der anderen Seite kann die Energiekrise auch dazu führen, dass der Staat seine Einnahmen aus der Energieproduktion und -verteilung erhöht, was zu höheren Steuereinnahmen führt und die Staatsverschuldung erhöht.

Was ist die Schuldenbremse?

Die Schuldenbremse ist ein rechtliches Instrument, das dazu dient, die Verschuldung von Regierungen und öffentlichen Institutionen zu begrenzen. Sie wurde in Deutschland im Jahr 2009 eingeführt und ist Teil des Grundgesetzes.

Die Schuldenbremse legt fest, dass der Bund und die Länder nur noch begrenzte Schulden aufnehmen dürfen, um ein nachhaltiges Haushalten sicherzustellen. Der Gesamtumfang der jährlichen Neuverschuldung darf dabei in der Regel nicht höher sein als 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Diese Vorgaben gelten für den Bund sowie für alle Länder und Kommunen.

Das Ziel der Schuldenbremse ist es, die Verschuldung von öffentlichen Institutionen langfristig zu senken und die Haushaltsdisziplin zu verbessern. Durch die Begrenzung der Neuverschuldung sollen die öffentlichen Finanzen auf eine stabile Basis gestellt werden, um langfristig Investitionen und soziale Leistungen aufrechterhalten zu können.

Die Staatsverschuldung Deutschlands ist seit langem ein zentrales Thema in der öffentlichen Diskussion. Obwohl eine Pleite des Staates unwahrscheinlich ist, könnte eine zu hohe Schuldenlast langfristig zu Problemen führen. Deshalb ist es wichtig, dass die Schuldenquote kontinuierlich gesenkt wird und langfristig ein ausgeglichener Haushalt angestrebt wird. Die Zukunft wird zeigen, ob es Deutschland gelingt, seine Schuldenlast in den Griff zu bekommen und langfristig finanziell stabil zu bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat die höchsten Staatsschulden?

Im dritten Quartal des Jahres 2022 hat Griechenland die höchste Staatsschuldenquote innerhalb der Europäischen Union mit rund 178,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verzeichnet. 

Welches Land hat die geringste Staatsverschuldung?

Im zweiten Quartal 2022 hatte Estland die geringste Staatsverschuldung in der EU und belief sich auf rund 5,71 Milliarden Euro.

Sind Schulden ein Wirtschaftstreiber?

Schulden können sowohl ein Wirtschaftstreiber als auch ein Hindernis sein, je nachdem wie sie genutzt werden. Schulden können dazu beitragen, Investitionen zu finanzieren und das Wachstum zu fördern. Wenn Schulden jedoch unkontrolliert und unverantwortlich aufgenommen werden, kann dies zu einer Verschuldungskrise führen und die Wirtschaft schädigen. 

Wie viel Schulden hat jeder Deutsche?

Zum 1. Oktober 2022 waren in Deutschland etwa 5,88 Millionen Erwachsene überschuldet und hatten langfristige Schwierigkeiten bei der Begleichung ihrer Schulden. Die Überschuldungsquote betrug dabei rund 8,48 Prozent.